Er ist nicht nur Notfallhelfer an Bad-Hair-Days, sondern auch Lebensberater: Der Friseur ist die Rettungsinsel einer jeden Frau. Dabei stellt sich nicht die Frage, ob der Figaro des Vertrauens ein hochpreisiger Edelsalon oder der kleine, günstige Scherenschwinger um die Ecke ist. Was dem Mann seine Stammkneipe, das ist der Frau ihr Friseursalon!
Im Durchschnitt stattet die bundesdeutsche Frau alle vier bis sechs Wochen dem Friseursalon ihres Vertrauens einen Besuch ab. Dabei geht es selbstverständlich um die Verschönerung der Haarpracht, aber auch um einen regen Gedankenaustausch. Wenn das Vertrauensverhältnis zwischen dem Haarkünstler und seiner Kundin gefestigt ist, werden zwischen den Folien einer jeden zu färbenden Strähne brisante Neuigkeiten des Alltags ausgetauscht. Mit jedem Zentimeter, der von der Mähne der Kundin abgeschnitten wird, fallen auch Schamgrenzen und falsche Bescheidenheit. Themen rund um Familie, Sex, Geld, Beziehung und um die monatlich wiederkehrenden Frauenbeschwerden kommen ungeschminkt auf den Tisch. Der Friseur ist Seelentröster und Therapeut, er ist Ratgeber und „beste Freundin“ – zumindest für die Dauer der ein- bis zweistündigen Haupthaarbehandlung.
Es gibt nichts, was sie nicht mit offenen Armen und größtem Verständnis aufnehmen würde – die städtische Rettungsinsel namens Friseur: Vom deutlich verpatzten, heimischen Farbexperiment bis zu den großen und kleinen Problemen des weiblichen Alltags. Die Rettungsinsel bietet allen Themen, die uns Frauen bewegen, wohlwollendes Obdach und heilt selbst die tiefsten Wunden, die Trennungen oder Freundschaftsbrüche in unsere Herzen reißen. Und alles, was auf die Rettungsinsel gelangt, bleibt auch dort. Ach – was würden wir Frauen bloß tun ohne den Friseur unseres Vertrauens?
